| Amazonenhöhle-Gobustan |
NEUENTDECKUNG: Amazonenhöhle im SüdkaukasusVon Nourida Ateshi
»Kaukasien ― Heimat der Amazonen« (Πλούταρχος)
Die Heimat der Amazonen ist erwacht: 15000 Jahre Geschichte der Zivilisation ― Qobustan
Am Rande einer Ölstadt Aserbaidschans, 60 km südlich der Hauptstadt Baku, erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 440 Hektar das gewaltige Felsenland Qobustan (Duvannij). In den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts war dieses Felsenland die Quelle für die sowjet-aserbaidschanischen Bildhauer und Steinmetze. Um billig Baustoffe abzubauen, wurden Strafgefangene des sich in der Nähe befindenden Gefängnisses zu billiger Fronarbeit gezwungen. Jeden Tag wurden viele Felsen gesprengt, als Schotter zum Bau der Baku-Tbilisi-Eisenbahn und für weiteren Großbaustellen genutzt. Irgendwann wurden von einem Arbeiter die merkwürdigen Felsenschriften entdeckt und durch ihn bekannt gemacht. Wissenschaftler erfuhren aber erst nach 1939 davon und entdeckten weitere Felszeichnungen. Trotzdem gingen die Abbrucharbeiten in dem riesigen Felsenareal weiter. In der Nachkriegszeit wurden zum zweiten Mal viele Felsenformationen abgetragen und vernichtet. Ob als Grabsäulen oder auf Baustellen, das Gestein wurde als billiges Baumaterial genutzt. In der Nähe wurde sogar eine Mosche daraus erbaut. Wie viele Inschriften und Felsenzeichnungen durch den rigorosen Abbau verloren gegangen sind, weiß niemand. Nur 5 - 10% der Felsenformationen entgingen der Zerstörung. 1952 - 53 sollten nach dem Erlass eines Gesetzes der Zentralregierung in Moskau alle Qobustanfelsen Aserbaidschans abgetragen werden und es sollte ein riesiger sowjetischer Steinbruch entstehen. Für dieses ehrgeizige Ziel wurden hunderte von gesteinsabtragenden Maschinen (Kombines, Bulldozer) nach Qobustan geschickt. Mit deren Hilfe wurde nun mit der restlosen Beseitigung des Felsenlandes begonnen.
In jener Zeit besuchte der aserbaidschanische Dichter S. Vurgun mit dem staatlichen Vertreter der sowjetischen Zentralregierung das Großprojekt Qobustan. Als er die Zerstörung der Kulturschätze erkannte, zog er die Dienstwaffe des Staatsbeamten und schrie dem ersten Bulldozerfahrer zu, er solle die Arbeiten stoppen oder er werde von der Schusswaffe Gebrauch machen. Der ranghohe Staatsvertreter war von seinem Mut beeindruckt und darauf folgend konnte der Dichter die Verantwortlichen von der Bedeutung der Felslandschaft überzeugen. Der staatliche Leiter ließ deshalb die Felsabtragungen einstellen und unterstützte den Gedanken der Errichtung eines einmaligen kulturhistorischen Museums unter freiem Himmel.
Trotzdem viele mit wertvollen Zeichnungen signierte Felsen bekannt waren, wurden weitere von ihnen für immer zerstört. Um den Steinbruch weiter nutzen zu können, wurde ein Zuweg zum Böyükdash-Berg gebaut. Ohne Rücksicht wurden viele wertvolle Felsen vernichtet. Ein Hauptteil der zwei großen Kurgans (Grabhügel) ist komplett verschwunden. Gerade waren dort die unbekannten Kurgane während archäologischer Ausgrabungen entdeckt worden.
Für einen folgenden Bau einer Stromtrasse sollten größere Felsformationen ohne Bedenken abgetragen werden. Der Gobustan-Entdecker, Prof. I. Cefersadeh erinnerte sich: „Einmal bestellte mich der sowjet-aserbaidschanische Staatsmann Mircefer Bagirov zu sich und fragte: Was wollen Sie, Genosse Cefersadeh, auch wenn Sie auf den Felsen ein Paar Kratzer gefunden haben, sollen wir deshalb nicht für unsere Soldaten, die von der Front gekommen sind und Hitler besiegt haben, Häuser bauen?“ Was sollte ein Professor vor dem mächtigen Staatsmann sagen? Er wurde mundtot gemacht.... Genau 15 Jahre lang gab es das feindliche Verhältnis der Wissenschaftler zu den Steinbrucharbeiten. 1962-1963 wurde schließlich ein Tunnel zum Böyükdash in den Berg getrieben, um den Weg für die Baufahrzeuge zu verkürzen und das Gestein noch effektiver abzutransportieren. Dadurch wurden viele bekannte und katalogisierte Kurgane zerstückelt oder vernichtet. In großen Lettern steht bis heute auf dem Fels am Eingang des Qobustan geschrieben: „Die Steine, auf denen es Zeichen, Gravuren, Bilder, Inschriften gibt, gehören zum alten aserbaidschanischen Kulturerbe. Sie abzubauen, zu zerstören, ist verboten. Aserbaidschanische - Sowjetwissenschaftliche Akademie - 1950“. (21 Jahre danach wurde Felsenland weiter vernichtet)
Mit dem stillen Kampf der Wissenschaft und mit der Unterstützung des Dichters S. Vurgun wurde am 9. September 1966 dieses Felsland endlich als Schutzzone eingestuft. Dies galt anfangs für eine kleine Fläche von nur 4,4 Hektar. Erst 1971 wurde die Vernichtung der Felsen in den Steinbrüchen gestoppt. Bis dahin waren von einem riesigen Felsenland nur die kleinen Dörfchen übrig geblieben.
Seit 2007 gehört Qobustan zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Nachdem ich 13 Jahre lang von Deutschland aus über die kaukasischen Amazonen geforscht hatte, stieß ich auf Qobustan. In den 20 urzeitlichen Höhlen Qobustans bin ich auf Spuren von dort lebenden Amazonen gestoßen. Die „Mutter-Höhle“ und die Höhle der „7 Schönheiten“ sowie die „Jäger Höhle“ und dort gemachte Funde, haben mich stark fasziniert und gefesselt. Ich habe heute überhaupt keine Bedenken mehr, festzustellen: „Es waren wahrhafte Amazonenhöhlen!“
Literaturhinweise:
1. Archiv des Nisami Gencevi Institutes für aserbaidschanische Kultur in Deutschland, Berlin. 2. Neue Brücke (Yeni Körpü) - Deutsch-Aserbaidschanisches Journal, Berlin, div. Nr. 3. Aserbaycan Tarixi (Aserbaidschanische Geschichte); Baku 1999. 4. Ziya Bünyadov: Aserbaycan 7.- 9. Esrlerde (Aserbaidschan im 7.- 9. Jh.); Baku 2005. 5. Azerbaycan Tarixi (Aserbaidschanische Geschichte); Baku 1960. 6. C.C. Aliyarov: Aserbaidschan Tarixi Üzre Qaynaqlar (Quellen zur Geschichte Aserbaidschans); Baku 1989. 7. Azerbaycan Etnoqrafiyasi (Ethnographie Aserbaidschans); Baku 1988. 8. Aserbaycan Tarixi (Aserbaidschanische Geschichte); Baku 1994. 9. Zeynaloglu: Cenubi Aserbaycanin Müxteser Tarixi; Baku 1992. 10. A. Ziyadxanov: Aserbaycan (Aserbaidschan); Baku 1993. 11. N.A. Ibragimov: Aserbaidschan Trixinin Alman Sehifeleri; Baku 1997. 12. Kamal Alijev: Anticnaja Kafkazskaja Albanija; Baku 1992. 13. Azerbaycanda Atebeyler dövleti; Baku 2004. 14. Esedulla Ceferov: Qurucay Deresinde; Baku 1990. 15. Moisej Kalantuklu: Alban Tarixi (Geschichte von Albania); Baku1993. 16. Achundow Mirsa Chosrow: Seiten eines Lebens; Baku 1992. 17. Allachwerdijew A.T., Kulijew A.Ch.: Naphtalan und seine Anwendung als Heilmittel, Baku 1959. 18. Assadow F., Kerimova S.: Die den Zarismus nach Aserbaidschan Brachten; Baku 1993. 19. Bakichanow A.A.: Gjulistan-I-Iram; Baku 1991. 20. Balajew Ajdin . Die aserbaidschanische volksdemokratische Bewegung 1917-1920. Baku 1990 21. Die Geschichte Aserbaidschans. Bd.2.; Baku 1960 22. Geschichte Aserbaidschans in Dokumenten und Publikationen; Baku 1990. Die große Reform. Die russische Gesellschaft und die Bauernfrage in Vergangenheit und Gegenwart. Bd. 5.; Moskau 1911. 23. Husejn Bajkara. Geschichte des Kampfes für die Unabhängigkeit Aserbaidschans. Baku 1992 26. Sejnaloglu D: Kurzgeschichte Aserbaidschans; Baku 1992. aserb. Von Siemens W. Meine Erinnerungen. St. Petersburg 1893, russ. 27. Skizzen zur Geschichte der Entwicklung der Geologie in Aserbaidschan. Baku 1982 28. Sumbatsade A.S. Die Landwirtschaft Aserbaidschans im 19. Jahrhundert. Baku 1958 29. Sumbatsade A.S. Die Industrie Aserbaidschans im 19. Jahrhundert. Baku 1964 30. Mixitar Qos: Alban Selnamesi; Baku 1993. 31. Rüstemov. C. Petroglifen der Qobustan Buch 1-2 (Qobustan petroqlifleri) Baku-Kooperasiya 2003 32. Jochen Fornasier „Amazonen“ Frauen, Kämpferinnen und Stadtgründerinnen 2007. Philipp von Zabbern Verlag , Meinz am Rhein |